Chay Ya wurde durch einen kleinen Winkelzug des Schicksals ins Leben gerufen. 2007 beschloss Sabine Klotz aus Vorarlberg unklugerweise eine Trekkingtour in Nepal im Monsoon (Regenzeit) zu starten – wie zu dieser Jahreszeit üblich, waren die Wanderwege überflutet, und sie verirrte sich aufgrund der Erdrutsche, die den Rückweg unpassierbar machten. Nach mehreren misslungenen Versuchen ein Dorf zu finden, und etliche Kilometer weiter und Stunden später wurde sie von Kamal Thapa und Santosh Silwal, später zwei der Gründungsmitglieder von Chay Ya Nepal, gerettet. Aus der Rettungsaktion entwickelte sich eine Freundschaft, die aus dem gemeinsamen Interesse an Naturschutz und der Verbesserung der Lebenssituation der ländlichen Bevölkerung in Nepal wuchs.
Nach langen gemeinsamen Gesprächen kam unserer österreichisch-nepalesischer Freundeskreis zu dem Schluss, dass unglaublich viele Menschen (vor allem in ländlichen Nepal) unter katastrophaler Armut, gesundheitlichen Problemen und dem Mangel an Schulbildung leiden. Wir beschlossen daher eine Studie über das Potential von Ökotourismus als Strategie zur Armutsbekämpfung in Nepal durchzuführen.

Gesagt, getan – zwei Jahre später, im Herbst 2009 reisten Sabine und ihre Freundin Lena Katharina Pichler ins abgelegene Tsum Valley (Grenze zu Tibet, 5 Tagesmärsche) auf über 4000 Höhenmeter, um dort zusammen mit Kamal und Santosh eine Studie zu nachhaltigem Ökotourismus (siehe Projektbericht 2009) zu verfassen. Mit der Unterstützung des Landes Vorarlberg und privaten Spenden konnten wir mit Maultieren 120 Kilogramm Schulsachen (Hefte, Stifte, Bücher usw.) in die drei Dorfschulen, die eigentlich nur Baracken waren und diesen Namen nur bedingt verdienen, bringen.

Schnell wurde jedoch durch die menschenunwürdigen Zustände in den Bergdörfern klar, dass ein Projekt zu Ökotourismus erst der letzte Schritt zur Armutsbekämpfung sein kann, da medizinische Versorgung, sauberes Trinkwasser, ausreichend Nahrung und Schulbildung viel dringender benötigt werden.
Die Eindrücke im Tsum Valley bewegte Sabine zusammen mit FreundInnen aus Vorarlberg, einen Verein zur Hilfe der dort ansässigen Menschen zu gründen: Chay-Ya Austria (tibetisch –„packen wir es an“) – Verein zur globalen Armutsbekämpfung und zur Förderung der sozialen und edukativen Entfaltung.

2012, 2013 und 2014 organisierten wir jeweils ein drei-wöchiges kostenloses mobiles Gesundheitscamp für die Bevölkerung (je über 800 PatientInnen) des Tsum Valleys, unterstützen neun Schulen mit über 400 Kindern mit Unterrichtsmaterial und hielten hygienische Schulungen ab, die das Gesundheitsbewusstsein in der Region enorm verbesserte.

Seit Herbst 2014 haben wir mit der Unterstützung der österreichischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen und dem Land Vorarlberg dem Aufbau eines kleinen Gesundheitsposten im Dorf Lar (Tsum Valley, 3250 Höhenmeter), sowie dem dortigen Aufbau einer hygienischen Infrastruktur (sanitäre Anlagen, sauberes Trinkwasser, rauchfreie Kochstellen) begonnen. Leider hat der sehr harte Winter und das katastrophale Erdbeben im Frühling 2015 die Eröffnung des Gesundheitsposten verzögert, ab Herbst 2016 aber wird der Gesundheitsposten eine ganzjährige medizinische Versorgung der BewohnerInnen des Tsum Valley garantieren.

Das Jahr 2015 war eine riesige Herausforderung – zwei extrem starke Erdbeben im April und Mai sowie über 300 Nachbeben forderten über 20.000 Tote und 3 Millionen Obdachlose. Unser Team von Chay Ya konnte schnell und unbürokratisch tausende Menschen in den Wochen nach den Beben mit dem Nötigsten, wie z.B. Zeltplanen, Wellblechdächern, Medikamenten, warmen Decken und Nahrungsmitteln versorgen – Dank eurer Spenden!

Im September und Oktober 2015 machte sich unser Team aus Österreich, Nepal, Indien und den USA auf den Weg ins Langtang-Gebiet, um über 1100 Menschen medizinisch zu versorgen. Mehrere Ärzte, ein Zahnarzt und KrankenpflegerInnen gaben über 2,5 Wochen in den abgelegenen Bergdörfern ihr Bestes. Gleichzeitig konnten wir auch die Dörfer besuchen, in denen wir die Schulen wieder aufbauen werden. Wir von Chay Ya sind davon überzeut, dass Bildung der einzige Weg aus der Armutsfalle ist, und planen so viele Schulen in Nepal wieder aufzubauen, wie es uns mit euren Spendengeldern möglich ist.

Unser Arbeitsaufwand hat sich 2015 verzehnfacht, deswegen musste sich unser einziger Mitarbeiter Kamal Thapa noch Verstärkung an Board holen – Sristi und Santosh Silwal betreuen nun mit ihm gemeinsam unsere Projekte, und haben im Mai 2015 unseren Schwesternverein in Nepal gegründet – Chay Ya Nepal – der mittlerweile in acht Distrikten tätig ist. Nicht nur in der Katastrophenhilfe hat Chay Ya Nepal unglaubliches geleistet, sondern auch beim Wiederaufbausechs Schulen wurden im Distrikt Gorkha und Rasuwa/Langtang schon gebaut, drei weitere sind derzeit im Bau.

Im Oktober 2016 eröffneten wir mit großer Freude den Gesundheitsposten inklusive Geburtenstation im Tsum Valley – endlich hat die Bevölkerung nun eine permanente medizinische Versorgung durch eine Krankenschwester und eine Hebamme!

Auch die sehr abgelegene Region Dolpa und Gorkha konnten sich  2016 über ein mobiles Gesundheitscamp freuen, unsere ÄrztInnen kämpften sich bis über 4000 Meter hoch, um medizinische Versorgung in die Bergdörfer zu bringen.

Seit 2016 unterstützen wir auch die Supa Inclusive School, wo Kindern mit körperlicher und geistiger Behinderung eine Ausbildung geboten wird – nachdem wir schon eine Küche gebaut und 20 Rollstühle für die Kinder zur Verfügung gestellt haben, möchten wir nun sanitäre Anlagen sowie einen Schulgarten in Angriff nehmen – mehr unter „Projekte“.

Die nächsten Jahre gibt es viel zu tun, und Menschen mit Erfahrung im medizinischen Bereich, Freiwillige mit guten Englischkenntnissen die gerne Unterrichten oder am Bau  der Schulen mithelfen wollen, sind herzlich in unserem Team willkommen – siehe „Volunteriat“.