Medizinische Notfall-Camps und Schulprojekte April 2012

Chay Ya Austria konnte mit dem gesammelten Geld am 1.April 2012 unser erstes kostenloses mobiles Gesundheitscamp im Tsum Valley starten. Unser Team startete nach monatelangen Vorbereitungen per Bus mit über 1,5 Tonnen Hilfsgütern (Wasserfilter und Toilettenbausätzen), Medikamenten, Hygieneartikel und Schulsachen beladen, ins sechs Tagesmärsche entfernte Tsum-Valley an der Grenze zu Tibet. Drei Wochen lang war unser Team im Einsatz, über 450 Menschen konnten medizinisch versorgt werden, ca. 250 Kinder erhielten Schulmaterial für 1 ½ Jahre sowie Hygieneartikel und sauberes Trinkwasser.

project_2012_1

Unser österreichisches Team kam für alle Kosten wie Flüge, Unterkunft, Essen und die Bezahlung der TrägerInnen selbst auf, damit die Spendengelder direkt in das Projekt fließen konnten. Finanzielle Unterstützung für die Medikamente und den Transport bekamen wir vom Land Vorarlberg sowie von privaten SpenderInnen.

Unser Team:
– Patrick Forster und Sabine Klotz (Dornbirn/Wien – Chay Ya)
– Viera und Henryk Pieh aus Krems (pensionierte freiwillige Ärzte)
– Ravi Raj Timasine (Arzt aus Nepal, Pokhara)
– Kamal Thapa (Umweltspezialist von YONSED – unserer PartnerNGO, Nepal, Kathmandu)
– Tsering Lama (eines unserer fünf Chay-Ya-Patenkinder, 8 Jahre alt und aus dem Tsum-Valley stammend, seit 2 Jahren im tibetischen Internat in Kathmandu)
– Drei Trägerinnen und ein Träger für Notfallmedizin und persönliches Gepäck
– 25 Maultiere, die jeweils 60 kg Hilfsgüter schleppten

Nach einer 16-stündigen Busfahrt und einem 6-tägigen Fußmarsch mit einigen Überraschungen (unser nepalesischer Arzt verstauchte sich den Knöchel und konnte nur mit starken Schmerztabletten weiterlaufen, Sabine kämpfte mit Fieber und Halsschmerzen, der Rest der Gruppe mit starkem Durchfall, ständige Regeneinbrüche und Schnee waren an der Tagesordnung) kamen wir an unserem ersten Zielort am Anfang des Tsum-Valleys an, einem Dorf namens Chumling, dass auf 2500 Höhenmetern liegt, und in dem wir unser erstens Healthcamp aufbauten.

 

Alleine in diesem Camp konnten wir über 250 Menschen betreuen, viele mit chronischen Krankheiten wie unbehandelte Mittelohrentzündung, Unterernährung durch Wurmbefall des Verdauungstrakts, Läuse und schmerzhafte Hautinfektionen. Ein großer Teil der Kinder aber auch der Erwachsenen hatte akuten Läusebefall und war unglaublich schmutzig – direkt neben unserem Camp wurden viele Kinder mit einer Dusche und Läuseshampoo zwangsbeglückt. Diese drastische Maßnahme erzielte aber den positiven Effekt, dass sich die Kinder von da an jeden Tag selbstständig wuschen. Ein Kind hatte eine sehr schmerzhafte Erkrankung an den Geschlechtsorganen, dessen Operation wir in einem Krankenhaus in Kathmandu in die Wege leiteten.

project_2012_4

Im selben Dorf konnten wir auch für 58 Kinder Schulmaterialien für ca. 1,5 Jahre bereitstellen (Schulbücher in Nepali und Englisch, Hefte, Kugelschreiber, Bleistifte, Radiergummis, Spitzer, Malbücher, Farben, Wachskreiden, Plakate mit Abbildungen der Weltkarte, des ABC´s usw., Bälle und Frisbees, Schulrucksäcke). Da das Dach der Schule in Chumling durch einen Sturm beschädigt wurde, haben wir dieses umgehend repariert. Durch die Installation des ersten Katadyn-Wasserfilters in der Dorfschule und der Übergabe von Ersatzfilterkerzen konnte die Schule den Kindern nun ca. für 6 Jahre sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen.

project_2012_2

Das zweite Healthcamp, nach einem weiteren Tagesmarsch, fand im „Upper-Tsum Valley“ im Dorf Lar statt, dass auf 3200 Höhenmetern liegt, und weitere 200 Menschen wurden von unseren drei Ärzten versorgt. In der Schule in Lar konnten wir 67 Kinder mit den dringend benötigten Schulmaterialien, Hygieneartikel und einem Wasserfilter ausstatten, genauso wie im Dorf Nile auf 3450 Höhenmetern (48 Kinder) und im Dorf Chekampar auf 3080 Höhenmetern (72 Kinder). Die Kinder genau so wie die Lehrer haben sich alle an unser letztes Projekt im Herbst 2009 erinnert, und es gab einige wirklich herzerweichende Momente als die Menschen uns und unseren Ärzten ihre Dankbarkeit zeigen wollten – mit tibetischen Gebetsschals und Feldblumen.

project_2012_3

Die Dorfgemeinschaften scheinen Bildung seit unserem letzten Besuch vor 2 ½ Jahren viel ernster zu nehmen – mehr Kinder werden in die Schule geschickt, die Dorfgemeinschaften konnten Dank unserer Unterstützung der Schulen teilweise selbständig den Bau und die Anschaffung von Toiletten und Schulmöbel finanzieren.
Die medizinischen Notfall-Camps stießen auf großes Interesse, alle Kinder im Schulalter sowie jede/r Patientin/Patient wurde entwurmt. Jedes Kind bekam zusätzlich Zahnbürsten, Zahnpasta und genügend Seife für die ganze Familie. Auch die hygienischen Schulungen stießen auf großes Interesse. Die ansässigen Familien haben darum gebeten, in Zukunft mehrfach medizinische Notfall-Camps abzuhalten, vor allem auch in den weiter entfernteren Dörfern weiter oben und direkt an der tibetischen Grenze.

Da die medizinischen Notfall-Camps aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, wünschen sich die DorfbewohnerInnen eine permanente medizinische Grundversorgung im Tsum. Ein kleiner Gesundheitsposten mit Geburtenstation und geschultem medizinischem Personal wäre die Erfüllung dieses Traums – dafür braucht es jedoch eine große Menge an Spendengeldern, die uns derzeit nicht zur Verfügung steht. Das Ziel des Baus eines Gesundheitspostens werden wir aber im Auge behalten.