Im April 2013 fand unser zweites mobiles Gesundheitscamp im Himalaya, (Tsum Valley), mit insgesamt drei Stopps in den Dörfern Chumling, Nile und Lar, zwischen 2500 und 3200 Höhenmetern statt. Die steilen und anstrengenden Wege waren für alle eine wahre Herausforderung, sechs Tage Fußmarsch aufwärts, und vier Tage zurück. Alle Hilfsgüter (insgesamt über 1, 5 Tonnen) wie Medikamente, Wasserfilter, Schulsachen und warme Bekleidung für die Kinder wurde von unseren Maultieren transportiert. Beim diesjährigen Projekt konnten über 700 Menschen medizinisch versorgt werden, und über 400 Kinder erhielten Schulsachen (Rucksack, Bücher, Hefte, Stifte, Malfarben usw.) sowie eine warme Fleecejacke. Finanziert wurde das Projekt zur Hälfte von der Vorarlberger Landesregierung, die andere Hälfte stammt von privaten SponsorInnen.

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Dieses Jahr konnten wir zusätzlich zu unserem nepalesischen Arzt Ravi Raj Timasine noch eine nepalesische Ärztin (Preerna Gauchan) in unserem Team begrüßen, die vor allem weibliche Patientinnen versorgte. Auch Dr. Marie Luise Linderer (Allgemeinmedizinerin in Berlin), die weltweit auf Einsätzen von „Ärzte ohne Grenzen“ gearbeitet hat, mittlerweile 64 Jahre alt ist und über enormes medizinisches Fachwissen verfügt, begleitete uns dieses Jahr ins Tsum-Valley. Als KrankenpflegerInnen waren Pascal Levy aus Altach und Alice Hanser aus Muntlix dabei. Sie waren hauptsächlich für die Organisation, Vitalwertemessung und Hygieneuntersuchung zuständig.

Unser Team:
– Sabine Klotz und Patrick Forster (Wien/Lustenau – Obfrau/Mitglied von Chay Ya)
– Alice Hanser und Pascal Levy (Muntlix/Altach – ausgebildete KrankenpflegerInnen aus Vorarlberg)
– Dr. Ravi Raj Timasine (Arzt aus Nepal, Pokhara)
– Dr. Preerna Gauchan (Ärztin aus Nepal, Pokhara)
– Dr. Marieluise Linderer ( Ärztin von Medihimal & Ärzte ohne Grenzen, Berlin)
– Tsering Lama (eines unserer Chay-Ya-Patenkinder, 11 Jahre alt und aus dem Tsum-Valley stammend, seit 3 ½ Jahren im tibetischen Internat in Kathmandu)
– Namgyal Yigme, Dolmetscher Tibetisch/Englisch
– Neema, Dhai, Sonam und Raju (vier nepalesische Träger für Notfallmedizin und persönliches Gepäck)
– 23 Maultiere, die jeweils 60 kg Hilfsgüter schleppten

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Krankheitsbilder

Ein großer Teil der PatientInnen war von Läusen befallen (~350 Pat.), aufgrund der schweren körperlichen Arbeit, welche die Bewohner des Tsum-Valley tagtäglich leisten, waren Gelenks- und Rückenschmerzen (~400 Pat.) ein weit verbreitetes Leiden (wurden mit Schmerzsalben, -mitteln und Bandagen versorgt). Eine Vielzahl der PatientInnen (~400 Pat.) klagte darüber hinaus über starke Bauchschmerzen, die von Parasitenbefall bzw. unzureichender/falscher Ernährung herrührten – diese wurden mit Antiwurmmitteln bzw. Magenschutzmitteln versorgt. Ca. 50 PatientInnen litten außerdem an einem Struma (Kropf aufgrund von Jodmangel), für das nächste Health-Camp planen wir deshalb, Jod-Medikamente (in Nepal leider nicht erhältlich) aus Österreich mitzubringen. 60-70 Personen litten an Kurz- bzw. Weitsichtigkeit und wurden von uns mit Brillen versorgt. Ca. 10 PatientInnen litten an Wunden aufgrund von Verbrennungen, Hundebissen und anderen Unfällen, die medizinisch fachgerecht versorgt wurden.

Leider stürzte einer der Transportesel, mit Medikamenten und Schulsachen beladen, von der Klippe, daher hatten wir einen Engpass bei den Schmerzmedikamenten, ansonsten war die medizinische Versorgung auf hohem Niveau. Zusätzlich erhielten die Menschen nach der medizinischen Versorgung Hygieneartikel (Zahnbürsten, Zahnpaste, Seifen, Lausshampoo, Lauskämme).
Die übrig gebliebenen Medikamente und medizinischen Utensilien (Stethoskope, Fieberthermometer, Blutdruckmessgerät) wurden einer tibetischen Nonne, die tibetische Medizin praktiziert, sowie einer Außenstelle von „Phase Nepal“ (eine österreichisch-englische NGO) übergeben. „Phase Nepal“ versucht abgelegene Orte im Himalaya medizinisch zu versorgen.

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Dieses Jahr konnten wir während 3 Healthcamps, auf 5 Tage verteilt, zwischen 2500 und 3200 Metern über 700 Menschen erreichen. Zum Transport der Materialien benötigten wir 23 Maulesel, die 7 Tage für uns im Einsatz waren. Es machen sich schon deutliche Erfolge bemerkbar.

Die Bevölkerung ist ein großes Stück sauberer als bei unserem ersten Gesundheitscamp, weit mehr Kinder besuchen die Schulen – vor allem Mädchen – und wir hatten nur ein einziges Kind mit einer bakteriellen Hautinfektion – im Gegensatz dazu waren vor 5 Jahren noch 1/3 der Kinder betroffen. Die Bevölkerung zeigt großen Enthusiasmus, ihre hygienischen Umstände zu verbessern. Mittlerweile ist in fast jedem Dorf eine Gemeinschaftstoilette aufzufinden.

Notfalltransport mit Hubschrauber / Notoperation

Am 8. Tag unseres Projekts, auf 2800 Metern, mussten wir einen Patienten (Lobsang Lama) aufgrund einer Intestinalen Obstruktion mit Aszites (ein Verschluss des Verdauungstraktes – der Patient konnte seit über einer Woche weder urinieren noch Stuhlgang absetzen, litt unter extremen Schmerzen, hatte einen stark aufgeblähten Bauch) mit dem Helikopter ausfliegen. Die ärztliche Untersuchung ergab, dass es sich um einen medizinischen Notfall handelte und das Leben des Patienten in Gefahr schwebte, worauf wir beschlossen, ihn, begleitet von seiner Frau, – beide mittellose, nepalesische Bauern – per Helikopter ins Krankenhaus in Kathmandu ausfliegen zu lassen. Dem Patienten wurde eine Notfalloperation zuteil und er wurde in gutem gesundheitlichem Zustand zwei Wochen später aus dem Krankenhaus in Kathmandu entlassen. Die Behandlungskosten sowie die Kosten für den Helikopter wurden von Chay-Ya übernommen. Der Patient wurde von Sabine und Patrick nach Abschluss des Tsum-Projekts besucht, um sicherzugehen, dass seine Gesundheit wiederhergestellt war.

Versorgung von neun Schulen im Tsum Valley

Mittlerweile unterstützen und versorgen wir neun Schulen im unteren und oberen Tsum-Valley. Somit erreichten wir beim diesjährigen Projekt über 100 Kinder mehr als letztes Jahr (insgesamt sind wir mittlerweile bei 400 Kindern). Sie wurden nicht nur mit Schulmaterialien und Rucksäcken ausgestattet, sondern auch mit warmen Fleecejacken.

Von den neun Dörfern (Lokpa, Chumling, Ripchet, Chumchet, Kaye, Tanju, Lar, Nile, Khat), in denen die Schulen stehen, wurden sechs der Schulen mittlerweile mit Wasserfiltern versorgt, beim nächsten Projekt werden die restlichen drei Schulen Wasserfilter erhalten. Aufgrund des hohen Zeitdrucks bei diesem Projekt konnten wir nicht persönlich in jede Schule gehen, sondern benachrichtigten die Lehrer, mit ihren Klassen die Schulmaterialien bei den Health-Camps abzuholen. Ein positiver Nebeneffekt war, dass alle Kinder zugleich einen Gesundheitscheck sowie eine Entwurmung erhielten.

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Zukunftspläne – Health-Post in Lar

Zusätzlich hielten wir Versammlungen mit den Vertretern der Dörfer im Tsum Valley ab, um über den Bau eines Health-Posts im oberen Tsum Valley zu diskutieren. Die mobilen Gesundheitscamps verbessern die gesundheitliche Situation der Bevölkerung zwar nachhaltig, die Menschen des Tsum-Valleys brauchen jedoch einen permanenten Zugang zu medizinischer Versorgung. Daher plant Chay Ya Austria zusammen mit Medihimal einen kleinen Gesundheitsposten zu bauen, wo schwerverletzte oder sterbende Menschen sowie gebärende Frauen auch stationär Aufnahme finden können, und eine gut ausgebildete medizinische Kraft sie versorgt.

Die Kosten des Gesundheitsposten belaufen sich auf ca. 45.000 Euro und werden zu einem großen Teil von den PfadfinderInnen Österreich finanziert, die Ausbildung und das Gehalt des medizinischen Personals übernimmt derzeit unsere Partner-NGO Medihimal unter der Leitung von Dr. Marieluise Linderer. Das Land Vorarlberg unterstützt uns mit der Übernahme für die Kosten der Einrichtung des Gesundheitspostens. Im Herbst 2014 soll nach Erhalt der Genehmigung durch die nepalesische Regierung der Bauprozess starten.