Gesundheitscamp und Sportfest im Tsum Valley, med. Versorgung der Langtang-Region

Das Jahr 2015 hatte es in sich: Die katastrophalen Erdbeben in Nepal (April und Mai) hielten uns die letzten Monate auf Trab. Da die nepalesische Regierung in den abgelegenen Bergregionen erst sehr spät oder teilweise gar nicht reagierte, hat unser Team von Chay Ya schnell und unbürokratisch tausende Menschenin acht verschiedenen Distrikten in den Wochen nach den Beben mit dem Nötigsten versorgt – Dank eurer Spenden! Private SpenderInnen und das Land Vorarlberg sorgten dafür, dass ins unerreichbare Tsum Valley Helikopter mit Decken, Zelten, Medikamenten und Nahrungsmitteln geflogen werden konnten – auch die PfadfinderInnen Österreich unterstützten uns darin, neun Helikopter mit 2,2 Tonnen Wellblechdächer ins Tsum zu transportieren.

project_2015_0
Im September und Oktober besuchte das Chay Ya Team nicht nur wie üblich das Tsum Valley, sondern hielt auch ein zweiwöchiges Gesundheitscamp im Langtang-Gebiet ab, das schwer vom Erdbeben getroffen wurde. Im Langtang arbeiten wir seit unserer Hilfsaktion nach dem Beben eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen, und auch der gemeinsame Wiederaufbau von drei Schulen ist dort geplant. Auch im Tsum Valley möchten wir so viele Schulen wie möglich beim Wiederaufbau unterstützen!

Projekt Tsum

Ende September 2015 begab sich nur eine kleine Delegation von Chay Ya ins Tsum Valley, weil es in diesem Jahr nicht möglich war, das Tal wie üblich zu Fuß zu erreichen. Die Fußwege waren seit dem Erdbeben und nun zusätzlich durch die Monsunzeit nicht passierbar, und wir mussten das erste Mal in unserem Leben per Helikopter ins Tsum Valley fliegen. Geplant war die medizinische Notfall-Versorgung der lokalen Bevölkerung durch einen Arzt und eine Krankenschwester, sowie die Besichtigung der neu aufgebauten Häuser nach dem Erdbeben. Zusätzlich wollten wir zusammen mit den vom Erdbeben traumatisierten Kinder das erste Sportfest ihres Lebens feiern, und hatten kleine Preise sowie Pokale und Medaillen im Gepäck, um ihnen einen schönen Tag zu gestalten (finanziert vom Sportministerium Österreich, die auch zwei Lehrer im Tsum bezahlen).

Unser Team:
– Sabine Klotz (Chay Ya Austria)
– Karin Mayrhuber (österr. Krankenschwester, US-amerikanischer Krankenpfleger )
– Dr. Ravi Raj Timasine (Arzt aus Nepal, Pokhara)
– Kamal Thapa (Chay Ya Nepal)

project_2015_6

Nach unserer Ankunft wurden in den Dörfern auf dem Weg von Checkam bis Lar die Häuser begutachtet, um zu sehen ob die gespendeten Plastikplanen und Wellblechplatten auch wirklich verwendet bezw. benötigt wurden. Erfreut stellten wir fest, dass viele dieser Materialien benutzt wurden, sowohl zur Reparatur der Familienhäuser, als auch für den Neubau von Häusern, wenn die alten durch das Erdbeben völlig zerstört waren. Fast siebzig Prozent der eingestürzten Häuser im Tsum waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs wiederaufgebaut, eine riesige Leistung im Vergleich mit anderen Regionen Nepals, wo es teilweise noch genau so ausschaut wie nach dem Beben. Das Material konnte direkt nach dem Erdbeben für Notfallunterkünfte verwendet werden, danach zum Wiederaufbau, so konnten wir zwei Grundbedürfnisse mit ein und den selben Materialien abdecken.

project_2015_5

Die Bewohner des Tsum Valley konnten während unseres fünftägigen Besuchs unser kleines Health Camp aufsuchen, doch der Andrang war dieses Jahr nicht so groß wie gewohnt, da ein Monat vorher (Gott sei Dank!) bereits ein Health Camp von einer anderen NGO abgehalten wurde. Es war aber schön zu sehen, dass sich der gesundheitliche Zustand der Einheimischen trotz dem Erdbeben im Vergleich zu den Vorjahren um einiges gebessert hat.

Weiters wurde von uns ein Sportfest für die Tsumba-Kinder organisiert. Das Sportfest begeisterte alle teilnehmenden Kinder sehr und es war eine Freude zuzusehen, wie die Kinder mit vollem Einsatz im Fußballtournier ihr Bestes gaben, besonders die Mädchen zeigten den Jungen, wer hierbei der Boss war. Auch der Laufwettbewerb fand großen Anklang, und die Kekspause zwischendurch ließen so manche Kinderaugen aufleuchten. Absoluter Höhepunkt für die Kinder war aber die Siegerehrung im Anschluss. Die Fußballteams erhielten Medaillen, und für die beste Fußballerin und die Sieger des Laufwettlaufs gab es einen Pokal. Natürlich ging keine Kinderhand leer aus, alle bekamen ein Handtuch, eine Seife, eine Zahnbürste mit Zahnpasta und einen Nagelklipper. Die Kinderaugen hörten gar nicht mehr auf zu strahlen.

project_2015_4

Das laufende Sportprojekt findet großen Anklang bei den Tsumbas, wir erzielten im letzten Jahr über 20 Prozent höhere Einschulungsraten, vor allem Mädchen genießen im Sportunterricht nie gekannte Freiheiten. Nach dem Erdbeben spielten unsere Lehrer regelmäßig mit den Kindern Fußball usw., um sie abzulenken und auf andere Gedanken zubringen. Mittlerweile sind Fußballmatches in den Dörfern an der Tagesordnung, nicht selten spielen auch Väter und sogar Mütter mit.

Am letzten Tag unseres Besuchs besichtigten wir die Baustelle unseres Gesundheitsposten in Lar, dessen Eröffnung sich leider aufgrund des Erdbebens, da alle Familien mit dem Aufbau ihrer Häuser beschäftigt waren, und des vorangehenden harten Winters um ein Jahr verzögert. Ende September wurden aber schon die ersten Mauern hochgezogen, und wir sind optimistisch, dass der Rohbau in drei Monaten steht. Die geplante Eröffnung verschiebt sich somit um ein Jahr, aber im Oktober 2016 ist es dann endlich soweit – der erste Gesundheitsposten inklusive einer Geburtenstation im Tsum Valley öffnet seine Tore!

Projekt Langtang-Gebiet

Im Oktober starteten wir im Langtang-Gebiet ein zwei-wöchiges mobiles Gesundheitscamp, bei dem über 1100 PatientInnen medizinisch und zahnärztlich versorgt werden konnten. Einige der am höchsten gelegenen Bergdörfer konnten nur zu Fuß oder auf abenteuerlichen Schlammpisten per Jeep erreicht werden. Insgesamt waren drei Ärzte, ein Zahnarzt, zwei KrankenpflegerInnen, zwei medizinische Assistenten und 3 Dolmetscher sowie vier Personen von Chay Ya Austria & Nepal für das Organisatorische mit an Board.

project_2015_7

Das Langtang-Gebiet war eines der am schlimmsten vom Beben betroffenen, ganze Dörfer wurden von Schlammlawinen fortgespült. In vielen Dörfern ist ein großer Teil der Gebäude immer noch völlig zerstört, und die ehemaligen Bewohner haben kein Geld um ihre Häuser solide wieder aufzubauen. Zeitgleich zum Gesundheitscamp besichtigte das Chay Ya Team die drei Dörfer, in denen wir die Schulen wiederaufbauen bezw. renovieren werden, und hielten Treffen mit den Schulmanagement-Komitees ab.

Die 1111 Patienten wurden in einer Periode von 14 Tagen in den Bergdörfern Ramche,Thade, Gatlang, Chilime, Thulo Syafru, Syafurbesi, und Thule Bharku behandelt, alle diese Dörfer liegen im Dsistrikt Rasuwa.

Krankheitsbilder:
Alle 1111 Personen aus dieser vom Erdbeben im Frühjahr schwer beschädigten Region, die die Gesundheitscamps aufsuchten, erhielten sowohl allgemeinmedizinische als auch zahnmedizinische Hilfe von den Chay Ya Ärzten und dem Zahnarzt. Das medizinische Team von Chay Ya bemerkte einen deutlichen Anstieg der oberen Atemwegserkrankungen und einen leichten Anstieg von Tuberkulosefällen, während manche Patienten Symptome eines psychologischen Traumas zeigten, die durch die Folgen des Erdbebens und manchmal auch durch den Verlust des Familienhauses erklärbar sind. Es wird angenommen, dass der Anstieg an Fällen mit oberen Atemwegserkrankungen dadurch erklärbar ist, dass viele Dorfbewohner gezwungen sind in temporären, zeltähnlichen Unterkünften zu leben, die nicht ausreichend beheizt werden können. Dies war erste Jahr in dem ein Zahnarzt Teil des Teams war, und die Ergebnisse übertrafen unsere Erwartungen. Der Chay Ya Zahnarzt, ein nepalesischer Freiwilliger namens Phurbu Dorje Lama, führte um die 500 Zahnextraktionen an geschätzten 250 Patienten durch. Diese Zahlen verdeutlichen, dass in zukünftigen medizinischen Teams ein Zahnarzt dringend vonnöten ist.

project_2015_3

Während des zweitägigen Gesundheitcamps in Gatlang hat sich ein Drama abgespielt, dessen Konsequenzen über Leben und Tod entscheiden hätte können. Eine Großmutter brachte ihre neu geborene Enkelin, geschätzte drei Wochen alt, zur medizinischen Begutachtung. Das Neugeborene litt an einer akuten Atemnot mit beginnenden Anzeichen einer Zyanose. Das medizinische Team von Chay Ya, gemeinsam mit Dr. Vindy, einer Notfallsärztin aus den USA, leistete sehr gute Arbeit, wobei zuerst die Sauerstoffzufuhr des Babys stabilisiert und dann mit einer starken Antibiotikatherapie gestartet wurde. Als sich das Neugeborene etwas zu erholen schien, wurde es gemeinsam mit seiner Mutter, Dr. Vindy und Sabine Klotz (Gründerin von Chay Ya) in einen Jeep des Chay Ya Teams verfrachtet und in das nächste Krankenhaus nach Dunche gebracht. Der Fahrer war unser rettender Engel, er fuhr so schnell die Straße es erlaubte mit der todkranken Kleinen die schlechte Bergstraße in das ca. 3,5 Stunden entfernte Dunche hinab. Sabine und Dr. Vindy stabilisierten die Kleine, im Schoß haltend weiter, bei jedem Atemzug hoffend, dass es nicht der letzte wäre. Nach erfolgter medizinischer Intervention und weiterer Stabilisierung des Neugeborenen, wurde es erfolgreich weiter ins Kinderkrankenhaus in Kathmandu gebracht, um ihr die beste Therapie zukommen lassen zu können. Einige Tage später konnten alle, die bei dieser Rettungsaktion dabei gewesen waren, tief aufatmen, als sie erfuhren, dass das Kind nun außer Lebensgefahr war, gut aufgehoben in Kathmandu.

Diese Episode bewies ein weiteres Mal, wie dringend eine ganzjährige medizinische Versorgung in den Bergdörfern wäre, viele Leben könnten mit alltäglichen Medikamenten gerettet werden. Nepal hat nach wie vor eine sehr hohe Kindersterblichkeitsrate, vor allem in den Bergregionen. Dieser Winter wird besonders viele Todesopfer fordern, da nach dem Beben weder genügend Wohnraum noch Nahrungsmittel zur Verfügung stehen.